Brilliance BS4 und BC3
Das Debüt für Brilliance JinBei Automobile fiel ehrlich gesagt eher wenig spektakulär aus, dafür dass vorher angekündigt wurde, das Unternehmen werde als erste Automobilmarke aus China nun auch Europa "einnehmen".
In den Zeitplänen für den Dienstagmorgen wurde die Vorstellung, die hastig kurz zwischen SEAT und Maserati eingeschoben werden sollte, erst angekündigt, dann abgesagt und wieder angekündigt. Und als ein Unternehmenschef, dessen Namen wir nicht behalten konnten, seine Präsentation dann doch hinter seinem Informationstisch abhielt, war nicht zu übersehen, dass der Messestand, der Glamour und schillernde Dekoration eher vermissen ließ, eher bescheiden gehalten wurde, und zwischen Namen wie EDAG, Techart, Wiesemann und Zagato im wenig populären Sonderbereich von Halle 2 notdürftig platziert wurde.
In Sachen Bühnenperformance war zwar nicht der Name Programm, was aber keinesfalls bedeutet, dass Brilliance beim Autosalon in Genf als Lückenbüßer herhalten muss – das wäre viel zu kurz gedacht. Vorgestellt wurde der BS6, die bereits bekannte hochklassige Limousine, die in drei Versionen über den neuen europäischen Importeur HSO Motors Europe angeboten werden soll. Darüber hinaus erwartet der chinesische Hersteller, dass er mit dem ansehnlichen, wenn auch nicht sonderlich aufregenden Modell bis Ende 2007 in Europa Absatzzahlen von 15.000 erreichen wird, die bis zum Jahr 2010 auf 75.000 Fahrzeuge pro Jahr ansteigen sollen.
Es wurden jedoch mit der etwas kleineren BS4-Limousine und dem BC3-Coupé noch zwei weitere Neuheiten für Europa präsentiert und einige Namen erwähnt, die ihren Beitrag bei der Einführung in den europäischen Markt geleistet hatten – wie Giugiaro für die Entwicklung des Designs des BS4 (sowie des BS6), Pininfarina, der diese Rolle für den BC3 übernommen hat, und kein geringerer als Porsche, der die Dynamik der Modelle unterstützt hatte. Darüber hinaus bestehen Partnerschaften mit Toyota und Mitsubishi, und Produktionsexperten von BMW standen beratend zur Seite.
Nach unserer Ansicht wirken beide neuen Autos sehr ansprechend, gut ausgestattet und, nach dem ersten Eindruck, auch solide konstruiert. Und mit dem ersten von Brilliance vollständig selbst konstruierten Motor, einem Vierzylinder-Turbomotor mit 1,8 Litern und entweder 136 oder 170 PS plus wahlweise Fünfgang oder Automatikgetriebe, sowie der gesamten nur erdenklichen Komfort- und Sicherheitspalette werden vielleicht nicht unbedingt neue Wege beschritten. Dennoch werden die Modelle damit in Europa ein perfektes Zuhause finden – und zwar in Bezug auf die Ausstattung und, vielleicht zum Schrecken etablierter Anbieter, vermutlich zu einem attraktiven Preis.
Und darin besteht wichtigste Aspekt der Brilliance-Geschichte: Unabhängig vom wenig spektakulären Debut – Brilliance ist im Anmarsch, und wir werden keinen langen Widerstand dagegen leisten können. Geben Sie der chinesischen Autobranche noch fünf Jahre, und sie wird sich nicht mehr mit einem Platz eingekesselt zwischen Aussteller wie Techart und Wiesemann zufrieden geben müssen. Die nächsten Fahrzeugaussteller von Brilliance in der Genfer Halle 2 aus waren VW auf der einen und GM auf der anderen Seite. Und die werden sicher beide die nächsten Schritte von Brilliance (und China) genauestens beobachten.




